Tradition und Moderne
Das Brautkleid ist eines der traditionsreichsten Kleidungsstücke mit einer langen Geschichte und großer symbolischer Bedeutung. Allerlei Mythen und Aberglauben ranken sich um Schleier, Kleid und die Vorbereitung des Festes.
Selbst wenn uns viele dieser Bräuche heute ein Schmunzeln entlocken, ist es doch reizvoll, deren Ursprung kennen zu lernen.
Fast jeder verbindet heute das traditionelle Brautkleid mit der Farbe Weiß. Dies war jedoch nicht immer so.
Vor 2000 Jahren trugen die Bräute an ihrem Hochzeitstag eine Tunika. Das war ein waden- oder knöchellanges Hemdgewand ohne waagerechte Taillennaht, das in kürzerer Form auch von den Männern getragen wurde. Um die Taille der Frau wurde ein Holzgürtel mit einem doppelten Knoten, dem so genannten Knoten des Herkules, geschlungen. Man trug noch eine gelbe Stola über der Tunika und einen gelben Schleier, sowie gelbe Sandaletten. Nach der Hochzeit mussten sich die Gäste zurückziehen und der Bräutigam durfte den Herkules-Knoten lösen.
Im Mittelalter hatte das Brautkleid eine große gesellschaftliche Bedeutung, denn die Familie zeigte durch ein prachtvolles Kleid ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Stellung. In den oberen Gesellschaftsschichten wurde auch oftmals das Familienwappen mit in das Kleid eingearbeitet. Reich verzierte Stoffe aus Gold- oder Silberbrokat mit Stickereien versehen, oder mit Halbedelsteinen besetzt, wurden für die Kleider verwendet. Das Kleid war nicht weiß, sondern in Rot-, Grün- oder Blautönen gehalten. Vor allem am Hofe trug man mantelartige Obergewänder. Ab 1475 erhielt das Mieder ein tiefes, spitzes Dekolleté mit einem Brusteinsatz sowie einen runden Rückenausschnitt.
In der Zeit der
Renaissance bekamen die Kleider ein sehr offenherziges Dekolletè und die Taille saß ziemlich tief, das Mieder wurde vorne ganz geöffnet und geschnürt.
Ende des
16. Jahrhunderts kamen durch den Einfluss des spanischen Hofes dunkle Kleider in Mode. Diese bestanden aus einer schwarzen Robe mit langer Schleppe und Spitzenüberwürfen. Oft trug man dazu noch bestickte und mit Bändern verzierte Schürzen. Auch das Bürgertum trug damals Schwarz. Denn ein schwarzes Kleid konnte man auch nach der Hochzeit zu einem Festtag tragen und außerdem ließ es sich leicht reinigen. Die sozial Schwächeren und die Landbevölkerung dagegen trugen am Hochzeitstag Kirchgangskleidung oder festliche Trachten.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sah man nur vereinzelt weiße Hochzeitskleider und sie wurden auch nur vom Bürgertum oder am Hofe getragen.
Zu Beginn des
19. Jahrhunderts breitete sich dieser Brauch von den Fürstenhöfen aus und durchdrang langsam alle Bevölkerungsschichten. Das weiße Brautkleid war nun nicht mehr länger nur den oberen Bevölkerungsschichten vorbehalten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde es für jedes ehrbare Mädchen schicklich, in der Farbe der Unschuld und Reinheit vor den Traualtar zu treten. Allerdings hielt man auf dem Land noch lange an der Tradition des schwarzen Brautkleides fest, weil es praktischer war.
Während des gesamten 19. Jahrhunderts waren nicht nur weiße sondern auch farbige und schwarze Kleider als Hochzeitsroben üblich. Diese konnten auch nach der Hochzeit zu feierlichen Anlässen getragen werden.
Zu Beginn des
20. Jahrhunderts verkörperte die Brautmode die bürgerlich-kirchliche Moral – die Jungfräulichkeit der Braut, welche mit Reinheit gleich gesetzt wurde.
Ein üppiger Schleier sollte die Braut wie ein kostbares Geschenk umhüllen. Die Frauen wurden in ein Korsett eingeschnürt um eine Idealfigur zu erhalten. Anfang der 20er Jahre – wurden die Kleider immer kürzer und waren schmal geschnitten.
Nach dem zweiten Weltkrieg ging die Mode zu weißen Kleidern mit weit schwingendem Rock über. Die Schneiderinnen mussten das Wunder vollbringen, aus wenig Stoff möglichst weite Kleider zu fertigen.
Ab 1950 kamen körperbetonte Kostüme in hellen und dunklen Farben in Mode.
Die extravaganten 70er überraschten mit Minikleid oder Hosenanzug. Ein buntes Hochzeitskleid war nun nicht mehr ein Ausdruck des Mangels, wie in den Kriegsjahren oder gar „Schande“ einer schwangeren Braut, sondern Zeichen von Emanzipation und gewachsenem Selbstbewusstsein der Frau.
Heute gibt es viele verschiedene Stilrichtungen sowie auch zahlreiche farbige Brautmode. Weiße Brautkleider stehen immer noch ganz oben auf der Wunschliste, denn sie unterstreichen die Besonderheit des Anlasses.
Brauchtum und Glaube
Schon allein der Farbe des Kleides kommt eine symbolische Bedeutung zu. Weiß symbolisiert Reinheit, Vollkommenheit, Freude und Leben. Ein weißes Brautkleid galt lange als Zeichen der Unberührtheit und Jungfräulichkeit der Braut.
Auch wenn Sie handwerklich sehr begabt sind, ist es besser, sich Ihr eigenes Brautkleid von jemand anderen anfertigen zu lassen. „So viele Stiche, so viele Tränen“, sagt ein altes Sprichwort und deutet damit auf das Unglück hin, das die Braut dem Glauben nach ereilen wird, wenn sie ihr Brautkleid selbst näht.
Ein weiterer Aberglaube besagt, dass das Brautkleid auf keinen Fall vor dem eigentlichen Hochzeitstag fertig sein soll – wird das Nähzeug schon Tage vorher aus der Hand gelegt, bringt das unheilbares Unglück über die Braut. Sie haben ihr Brautkleid schon fix und fertig im Brautmodengeschäft gekauft?
Keine Panik! Ein bisschen Tricksen ist erlaubt: Ein kleines Röschen oder eine Schleife lassen sich kinderleicht abnehmen und am Hochzeitstag wieder annähen!
Der wohl bekannteste Brauch rund ums Hochzeitskleid: Der zukünftige Bräutigam darf das Hochzeitskleid seiner Angebeteten auf keinen Fall vor der Trauung zu Gesicht bekommen – sonst ist es mit dem Eheglück binnen kürzester Zeit vorbei. Die meisten Bräute halten auch heute noch an diesem Brauch fest, dabei geht es Ihnen aber wohl eher darum, den Liebsten mit dem Traum-Outfit zu überraschen.
Natürlich möchte jedes frisch gebackene Paar, das ihr Glück ewig hält. Um das zu unterstützen sollte das Brautkleid möglichst viele Knöpfe haben: Pro Knopf wird der Braut angeblich ein glückliches Ehejahr beschert.
Hauptsache Weiß, denkt sich so manche Braut. Und Recht hat sie! Einer Redensart nach bringt ein blaues Kleid Verdruss, ein Weißes hingegen nur Freude.
Freude soll Ihnen am Hochzeitstag auch der Blick in den Spiegel bereiten. Aber Vorsicht! Nicht hineinsehen, bevor nicht das ganze Outfit (inklusive Brautschmuck, Schuhe...) angezogen ist! Denn auch das bringt – glaubt man einer alten Redensart – Unglück.
Steckt sich die Braut am Hochzeitstag einen Glückspfennig in den Schuh, soll das dem Ehepaar Geldsorgen ersparen. Sie bleiben das ganze Eheleben gut betucht.
In Österreich geht der Aberglaube sogar unter die Robe: Die Braut muss am ganzen Hochzeitstag einen Teil ihrer Dessous verkehrt herum tragen. Das verwirrt dem Glauben nach die bösen Geister.
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